Bluetooth als Alternative für den Digitalbetrieb

Die digitale Steuerung von Lokomotiven ist sehr reizvoll: Mehrere Züge können unabhängig gesteuert, Licht- und Zusatzfunktionien  jeder Zeit individuell aktiviert werden und auch beim Sound ergeben sich viele neue Möglichkeiten. Im Garten führt der klassische Weg der Digitalisierung meisten über eine DCC-Digitalzentrale. Doch die Anschaffungskosten – schnell ist man bei einer Grundausstattung mit Funk bei über 1.000 Euro – schrecken viele Gartenbahner ab.

Im Zeitalter, wo viele Menschen ein 400 Euro bis 600 Euro teures Smartphone in der Tasche haben, stellt sich die Frage ob dieses nicht für die Modellbahnsteuerung genutzt werden kann. Schließlich übertrifft die Rechenleistung und das Display die Qualität von DCC-Zentralen um ein vielfaches. Keine Frage: Viele Power-User möchten bei der Modellbahnsteuerung nicht auf die haptische Rückmeldung eines Drehreglers verzichten und die Sonneneinstrahlung im Garten mögen die meisten Smartphonedisplays auch nicht. Aber: Wenn für den Einstieg nur ein einfacher Decoder und das Smartphone reicht, würden viele Modellbahner sich an das Experiment „Digital“ wagen, die noch heute vom Kauf einer Zentrale und eines Booster abgeschreckt werden.

Auf dem Markt gibt es zur Zeit viele verschiedene Lösungsansätze. Die amerikanische Firma BlueRailTrains hat in Kooperation mit Bachmann Trains einen neuen Lösungsweg vorgestellt: Die Decoder von BlueRailTrains nutzen den Kurzfunkstandard Bluetooth Smart. Viele moderen Consumergeräte unterstützen diesen Standard, wie eine Liste der Bluetooth-Gruppe zeigt. Der Vorteil von Bluetooth ist, dass aufgrund der hohen Massenproduktion die Bauteile sehr günstig sind. Gleichzeitig hat Bluetooth einen geringen Stromverbrauch, was der Modellbahn zu gute kommt.

Auf Youtube hat BlueRailTrain ein Video mit den Möglichkeiten ihres Bluetooth-Decoders online gestellt:

Quelle: BlueRailTrains / Youtube

Die Decoder von BlueRailTrains werden zu Beginn mit vier Funktionsausgänge ausgerüstet. Die Stromversorgung kann über ein normales analoges Gleis, einem DCC-Gleis oder per Akku erfolgen. Da der Strom nur zur Versorgung des Decoders und der Lok benötigt wird, können BlueRailTrains-Züge parallel zur vorhanden Steuerung eingesetzt werden. Allerdings sind die Decoder nicht kompatibel zu DCC. Angesichts des anderen Ansatzes mit Bluetooth würde dies auch keinen Sinn machen.

In der geplanten ersten Serie, die im Frühjahr 2014 zusammen mit Bachmann Trains in der Spurweite H0 auf den Markt kommen soll, wird der Sound der Lokomotive über den Lautsprecher des Smartphones oder via Airplay (Funktechnik von Apple) über einen externen Lautsprecher wiedergegeben. Das ist für Modellbahner natürlich nicht befriedigend. Daher hat BlueRailTrains angekündigt, später an einer Variante mit der Unterstützung von Soundmodulen zu arbeiten.

Das Konfigurieren von DCC-Decodern ist für viele Modellbahner ärgerlich. BlueRailTrains verspricht auf seiner Homepage, dass nach dem installieren der App auf dem Smartphone der Zug nur noch auf das stromführende Gleis gesetzt werden muss und die Steuerung sofort los gehen kann. Wörtlich heißt es: „There is no configuration or setup required.“ (Es sind keine Konfigurationen oder Einstellungen notwendig.) Power-User genießen natürlich die CV-Programmierung und die Möglichkeit die Loks genau nach ihren Vorstellungen zu konfigurieren. Vermutlich wird dies bei BlueRailTrains nicht möglich sein. Die große Mehrheit wäre allerdings damit zufrieden die Lok aufs Gleis zu stellen und ohne Aufwand fahren, Licht einschalten und Soundauslösen zu können. Genau an diese Zielgruppe wendet sich BlueRailTrains.

Veröffentlicht werden die BlueRailTrains Decoder als erstes in H0-Zügen von Bachmann. Für BlueRailTrains liegen Gartenbahnen zur Zeit auch nicht im Fokus der Entwicklung. Im Gespräch mit dem Spur-G-Blog erläuterete David Rees von BlueRailTrains jedoch, dass mit Bluetooth 4 die Zugsteuerung über eine Strecke von 20m zuverlässig möglich ist. Auf privaten Innenanlagen würde dies reichen. Im Garten, wo die Funkverbindung meistens etwas besser ist, könnte es also auch für kleine Außenanlagen reichen. Für Großanlagen wird die Reichweite von Bluetoothverbindung zu gering sein.

Der Preis von BlueRailTrains-Decodern steht noch nicht fest. Im Frühjahr 2015 wird es sie als erstes eingebaut in Bachmann-Trains Lokomotiven geben. Dabei soll das System auch in den günstigsten Einstiegssets zum Einsatz kommen. Vielleicht kann dies auch eine wichtige Komponente in der Nachwuchsförderung werden: Ein billiges Einstiegsset, wo nur ein Trafo für die Schienenspannung (oder ggfs. sogar nur ein Akku) und eine Bluetooth-Lok benötigt wird und die Kinder können mit ihrem vorhandenen Smartphone direkt unter dem Weihnachtsbaum loslegen…

Für die Gartenbahn werden die Decoder von BlueRailTrains im nächsten Jahr sicherlich noch keine Alternative sein. Es zeigt sich aber, dass der traditionelle Digitalmarkt in Bewegung kommt. DCC ist nicht mehr die einzige Möglichkeit eine digitale, funkgesteuerte Modellbahn zu betreiben. Daneben enstehen zur Zeit mit Bluetooth oder WLAN interessante Smartphone-Kombinationen. Vollkommen ungewiss ist, wie der Markt sich entwickeln wird und welche Systeme es schaffen sich zu etablieren. Der Ansatz von BlueRailTrains und Bachmann Trains scheint für die kleinen Spurweiten vielversprechend zu sein.

Link-Tipp: www.bluerailtrains.com

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