Sonderausstellung im Bahnmuseum Albula erföffnet

Letzte Woche wurde die neue Sonderausstellung eröffnet – Quelle: Bahnmuseum Albula [b]

In einer Pressemitteilung informiert das Bahnmuseum Albula über die neue Sonderausstellung: Am vergangenen Freitag fand die feierliche Eröffnung der neuen Sonderausstellung Rolling Stock II des Bahnhistorikers Gian Brüngger im Bahnmuseum Albula in Bergün statt.

In der Neuauflage der Erfolgsausstellung «Rolling Stock II» zeigt das Bahnmuseum Albula einen Ausschnitt aus dem umfassenden Fotoarchiv von Gian Brüngger. Gian Brüngger ist Bahnhistoriker, war langjähriger Mitarbeiter der Rhätischen Bahn und dokumentiert seit den 1960er Jahren das Rollmaterial der RhB. Einerseits wird durch ihn akribisch jede bauliche und technische Veränderung in einem Notizheft festgehalten, andererseits hat Gian Brüngger insbesondere in den 1970/1980er Jahren alles fotografiert, was auf den RhB-Schienen unterwegs war. Diese Bilder dokumentieren eine Art Hochblüte der technischen Entwicklung des Rollmaterials.

Als systematische Erfassung des Rollmaterials der RhB angelegt, transformieren die Schwarz-Weis Bilder Gian Brünggers das Bahn-Industriegut in ein skulpturales Gebilde. In die verschiedenen Strecken der Rhätischen Bahn (Stammnetz, Bernina Bahn, Chur-Arosa Bahn sowie Bellinzona-Mesocco) aufgeteilt, werden Triebfahrzeuge, Reisezugwagen, Güterwagen, Dienstfahrzeuge und Züge unterwegs sortiert und zeigen sich dem Betrachter im Einzelbild die enormen Unterschiede der teilweise skurrilen Formen dieser Maschinen. Durch das serielle Arbeiten und die aktuelle Präsentation werden die Motive vergleichbar, so entwickeln sich differenzierte Charaktere heraus. Auf einigen Fotos verliert sich das Objekt beinahe im Hintergrund. Gian Brüngger fotografiert in einem sachlichen Stil, der an die Fotografie von Bernd und Hilla Becher erinnert. Seit Jahrzehnten haben sie sich der Aufgabe verschrieben, die vergehende Industriekultur weltweit zu dokumentieren und zu archivieren.

Gian Brüngger
Gian Brünggers Grossvater war Streckenwärter in Spinas, sein Vater Depotchef-Stellvertreter in Samedan, als Bub war Gian also entweder im Bahnhof oder im Depot aufzufinden. Nach der Stationslehre verbrachte er 45 Jahre bei der Rhätischen Bahn. Am Ende war er verantwortlich für die betriebliche Planung und gestaltete die Weiterentwicklung der Linie mit. Über die Albulabahn schrieb er verschiedene Bücher, zudem hat er bei der Verfassung des Welterbe-Dossiers für die UNESCO mitgearbeitet.

Als Mitglied des wissenschaftlichen Beirats vom Bahnmuseum hat Gian Brüngger einen wichtigen Beitrag zur Entstehung des Bahnmuseums Albula geleistet.

Gian Brüngger erinnert sich: «Früher waren viel mehr Fahrzeuge auf dem gesamten Netz verteilt. Wenn ein Wagen zur Revision gesucht wurde, dann hat man die Wagenverteilung beauftragt, diesen ausfindig zu machen. Wir von der Station notierten jeden Nachmittag, welche Wagen vor Ort waren. Dazu musste man ein Formular ausfüllen. Wenn der Bahnhof leer war, nahm man einen A5-Zettel, notierte «Vakat» und legte diesen mit der übrigen Dienstpost in die Ledermappe. Die Mappe wurde mit dem letzten Reisezug nach Chur gesandt. Auch heute gibt es noch diese interne Post zur Kommunikation mit der Verwaltung in Chur, jedoch ist das Rollmaterial der RhB mit GPS-Sendern ausgerüstet.

Manchmal suchte die Wagenverteilung nach einem Fahrzeug, das nicht mehr vorhanden war. Ich schrieb dann zurück, dass dieser oder jene Wagen abgebrochen worden war. Als junger Beamter musste ich aber sehr vorsichtig sein, wie ich das schreibe, damit sich die Chefs nicht betupft fühlten. Es hat schon eine Zeit gebraucht, bis man mein Wissen anerkannt hat.
1962 habe ich angefangen, in einer Agenda Notizen zum Rollmaterial zu machen. Mein Papa meinte, ich solle doch ein Büchlein machen mit allen Fahrzeugen, auch mit Angaben dazu, mit was für Puffern und Achsen diese ausgestattet waren, damit die Reparaturequipe beim Ausrücken mit dem Hilfswagen das richtige Material dabei hatte. Die Angaben zu den Puffern und Achsen mussten vor Ort erfasst werden, das war eine ziemliche Arbeit! Mit der Zeit wurden die Büchlein immer ausgedehnter. Heute erfasse ich es natürlich am Computer, die Listen drucke ich dann aus. Ich trage ein A6-Büchlein immer auf mir und notiere Veränderungen am Rollmaterial, so hat sich mein ganzes Wissen aufgebaut. Alle Fahrzeuge, die ab 1889 in Betrieb kamen, habe ich daraufhin erfasst und selbstverständlich auch, wann was verändert wurde. Es gibt eine chronologische Tabelle zum Rollmaterial mit allen Details und eine weitere Tabelle, geordnet nach Wagennummern.
Wenn ich eine Lok oder einen Wagen sehe, suche ich immer nach Revisionsdaten! Sie geben einen Hinweis, dass etwas verändert wurde. Dies fordert mich dann auf, genau zu schauen und die Veränderungen in meinem Büchlein zu notieren – denn heute als Pensionär kriege ich das ja nicht mehr alles mit.»

Quelle: Roman Sommer / Bahnmuseum Albula

Link-Tipp: www.bahnmuseum-albula.ch

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