Bücher im US-Eigenimport

Wer spezielle US-Bücher zu Eisenbahnen sucht wird in Deutschland meistens nicht finden. Hier helfen amerikanische Online-Händler, wie z.B. Amazon beim Buch „The Montour Railroad“ von Gene P. Schaeffer

Es gibt nicht viele Dinge, die US Amerikaner vermissen und bei denen sie neidisch auf Europa schauen. Geschichte  gehört zu diesen Ausnahmen. Aus Sicht der US Amerikaner beginnt deren Geschichte erst mit den Pilgervätern im 17. Jahrhundert. Der Mangel an einer „langen“ Geschichte führt dazu, dass die Amerikaner engagiert versuchen die „eigene“ Geschichte lebendig zu halten. Überall in den USA findet man „Historic Landmarks“ und zahlreiche lokale und nationale Vereinigungen zur Pflege historischer Orte oder Ereignisse.

Da die Entwicklung der USA im 19 und 20 Jahrhundert stark durch die Eisenbahn geprägt wurde, widmen sich viele „Lokal-Historiker“ diesem Thema: Häufig ist die Blütezeit eines Orts mit der Blütezeit der Eisenbahn eng verknüpft. Gartenbahner, die sich für ein konkretes amerikanisches Vorbild entschieden haben, finden also in den USA häufig interessante Bücher zu ihrer Bahngesellschaft. Leider ist es oft unmöglich diese Bücher über den normalen deutschen Buchhandel zu beziehen. Da hilft oft nur der Eigenimport, dem sich der Spur-G-Blog in diesem Artikel am Beispiel der Montour Railroad widmet.

Die Montour Railroad war eine kleine Bahngesellschaft in Pittsburgh, Pennsylvania. Gene P. Schaeffer sammelt sei Jahrzehnten Informationen und Fotos zu dieser Bahngesellschaft, die bereits 1984 ihren Betrieb einstellen musste. 2008 veröffentlichte er einen Bildband, der aber in Deutschland so eigentlich nicht zu bekommen ist.

Eine Hilfe bietet in solchen Fällen die amerikanische Seite Amazon.com. Häufig findet man dort diese Bücher im Marketplace. Für deutsche Kunden ungewohnt ist die Tatsache, dass es in den USA keine Buchpreisbindung gibt. Dadurch können die Preise bei unterschiedlichen Anbietern stark abweichen. Eine genaue Recherche ist daher vor dem Kauf zu empfehlen.

Interessanterweise konnte sich der Spur-G-Blog mit seinen deutschen Kundendaten auch auf der amerikanischen Amazon-Seite einloggen. Bestellungen sind daher unkompliziert. Falls es sich nur um Bücher handelt, bietet Amazon für die eigenen Produkte günstige Versandkosten nach Deutschland an. Im Marketplace hängen die Versandkosten vom jeweiligen Anbieter an. Es lohnt sich aber vor einem Kauf die Anbieter bezüglich der Versandkosten anzumailen. Amazon bietet den Händlern offensichtlich nur wenige Versandoptionen an. Für internationale Sendungen kalkulieren die Anbieter daher sicherheitshalber einen hohen Preis, damit sie nicht auf den Versandkosten sitzen bleiben. Bei der Bestellung des Spur-G-Blog bot der Händler an das Buch zum günstigsten Preis zu verschicken. So musste zwar bei der Amazon-Bestellung für den Bildband die Versandkosten in Höhe von 42 Dollar gewählt werden, tatsächlich aber konnte der Händler das Buch für 19 Dollar verschicken. Nur wenige Tage nach der Belastung der Kreditkarte war auch die Erstattung der 23 Dollar bereits wieder auf dem Konto. Natürlich bietet nicht jeder Händler diesen Service an – wie oben erwähnt sollte man daher vorher immer recherchieren und nachfragen.

Die Kaufabwicklung verlief problemlos. Jedoch kommt das Paket erstmal nicht zu Hause an! Statt dessen liegt ein Brief der Deutsche Post im Briefkasten, dass die Sendung an das zuständige Zollamt weitergeben wurde. Nur wo befindet sich das zuständige Zollamt? Der Spur-G-Blog hat Glück und hat ein Zollamt vor Ort. Wer Pech hat muss viele Kilometer zum zuständigen Zollamt einkalkulieren. Die Frage nach den Zollgebühren ist etwas kompliziert – und da sich die Bestimmungen von Zeit zu Zeit ändern ist eine Anfrage zu den aktuellen Zollkonditionen vor dem Kauf auf alle Fälle zu empfehlen. Nimmt man bei einem besonderen Buch ggf. zusätzliche Zollgebühren gerne hin, endet das vermeintliche Schnäppchen vielleicht in ungewolltem Ärger.

Bleiben wir bei der Buchbestellung. Bei der Einfuhr ist auf alle Fälle die gültige Umsatzsteuer auf den Warenwert zu bezahlen. Diese beträgt bei Büchern zur Zeit 7%. Der Warenwert sollte in der Rechnung dokumentiert sein – ist er aber nicht immer (insbesondere bei EBay- oder Amazon-Marketplace-Verkäufern). Wer sich also die doppelte Anfahrt zum Zoll ersparen will, sollte alle E-Mails und Dokumente zum Kauf zu Hause ausdrucken und mitbringen! Der Zoll rechnet erst den Warenwert des Buches in Euro um (Porto wird nicht berücksichtigt) und rechnet anschließend die Umsatzsteuer aus, die der Kunde dann zu zahlen hat. Aber: Der Zoll erhebt diese Gebühr erst ab einer Höhe von 5 Euro. Die Testbestellung des Spur-G-Blog hat 50 Dollar gekostet – knapp 40 Euro. Für diese 40 Euro wären also 2,80 Euro ermäßigte Umsatzsteuer für Bücher fällig gewesen. Diese mussten nicht bezahlt werden, da die 5 Euro Grenze unterschritten war. (Hätte es sich um einen Waggon gehandelt, dann wären 19% Umsatzsteuer – also 7,60 Euro fällig gewesen.)

Aber bei der Umsatzsteuer bleibt es nicht. Ab einem Warenwert von 150 Euro fallen Zollgebühren an. Diese hängen nach Angaben des Zolls „vom Herkunftsland und des Warentyps“ ab. Eine pauschale Aussage lässt sich so also nicht treffen. Für die meisten Buchbestellungen fallen jedoch keine Zollgebühren an, da der Warenwert in der Regel unter 150 Euro liegt. Wer jedoch eine Lokomotive aus den USA bestellt, sollte zusätzliche Zollgebühren einkalkulieren.

Die Aushändigung des Pakets beim Zollamt läuft aber problemlos. Die Zollbeamten machen dies täglich. Daher klappt meistens alles zügig und emotionslos. Einen kleinen Hacken gibt es aber: Der Zoll verwahrt ein Paket maximal 14 Tage. Dabei beginnt die Zählung am Tag an dem der Zoll (bzw. die Post) das Anschreiben an den Empfänger erstellt – nicht der Tag an dem der Empfänger das Schreiben erhält. So wurde beim Testkauf das Schreiben bereits donnerstags erstellt – aber erst montags zu gestellt. Dumm wer dann am Samstag in einen zwei wöchigen Urlaub aufbricht. Nach Ablauf der Frist wird das Paket nämlich wieder zurück in die USA geschickt… Im konkreten Fall hat der Spur-G-Blog aber Glück: Durch die Urlaubszeit hat der Zoll das Paket zwei Wochen später nicht am Freitag zurückgeschickt – sondern lies es noch bis Montag liegen. Allerdings sollte keiner versuchen sein Glück auszureizen. Wäre der Montag an dem entsprechenden Montag nicht um 8.00 Uhr sondern erst um 15.00 Uhr beim Zollamt gewesen, dann wäre das Buch zurück in die USA gegangen. An dieser Stelle wäre es wünschenswert, wenn die Frist erst ab dem Tag gezählt wird, an dem der Kunde die Mitteilung erhalten hat.

Der Zoll nimmt übrigens eine Lagergebühr von 0,50 Euro pro Tag. Aber auch hier muss der Kunde erst ab 5 Euro zahlen. So fielen bei der Testbestellung für die 16 Tage eine Gebühr von 8 Euro an. Neben der Freude, dass das Buch nicht zurück über den Atlantik ging, besitzt der Spur-G-Blog jetzt auch noch eine Zoll-Quittung mit „hoheitlichem Aussehen“.

In der Zusammenfassung muss man fest halten, dass eine Buchbestellung aus den USA kein Zauberwerk ist. Amazon bietet einen unkomplizierten Bestellweg an. Die Versandkosten aus den USA nach Deutschland sind natürlich etwas höher – aber die Kosten kann man dabei in Grenzen halten. Umsatzsteuer, Zollgebühren und Lagerkosten können bei Büchern in den meisten Fällen sämtlich gespart werden, so dass nur die Bankgebühren für den Auslandseinsatz als versteckte Kosten anfallen. Aber Achtung: Wenn die Grenzen beim Zoll überschritten werden, können erhebliche Zusatzkosten entstehen! Vor dem Kauf im Ausland empfiehlt der Spur-G-Blog daher sich beim Zoll zu informieren. Auf der Internetseite steht auch eine Service-Rufnummer, bei der Nachfragen möglich sind.

Link-Tipp: www.zoll.de

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